Angst vor dem Sofa

Den meisten deutschen Spielern wird der Name “Dead To Rights” nicht viel sagen. Keiner der mittlerweile drei Teile erschien hier offiziell, die beiden Heimkonsolen Titel sind sogar indiziert. Ein ähnliches Schicksal droht auch dem NextGen Nachfolger “Retribution”, um den es in diesem Review gehen soll. Entwickler ist diesmal das englische Studio Volatile Games, welches bisher nur eine unrühmliche Versoftung von Reservoir Dogs verbuchen kann.

Das Grundprinzip hat sich seit dem ersten Teil nicht geändert: Ihr spielt den raubeinigen Cop Jack Slate und seinen Hund Shadow in einem Third-Person Actionspiel, das Waffengewalt mit Geprügel vereint und dabei auf Brutalität setzt. Besonders bei den zahlreichen Finishern spritzt viel Pixelblut und auch um Gnade flehende Feinde werden über den Jordan geschickt. Trotz der schier unerschöpflichen Anzahl der Tötungsanimationen nerven diese gegen Mitte des Spiels doch sehr, unterbrechen sie doch den Spielablauf immer für einige Sekunden. Die Entwickler schicken den Protagonisten durch primär schlauchartige Gebiete, in denen an bestimmten Punkten Gegner losgelassen werden, meist gibt es aus den Arealen kein Entkommen, bevor diese nicht ausgeschaltet werden. Dabei kann auch Shadow befehligt werden, um den bereits auf Normal doch sehr zahlreichen und robusten Schurken Herr zu werden. In Sachen Story kommt der Titel zwar mit etwas mehr daher als so mancher Genrevertreter, es bleibt aber trotz einer Verschwörung simpel und der Protagonist ist natürlich schnell auf sich allein gestellt.

Der Spielablauf wurde um einige Prisen Gears of War ergänzt. Dazu gehört das hier leider recht sinnlose Deckungssystem, welches durch akuten Munitionsmangel nicht oft genutzt werden kann. Immer wieder muss man Ausflüge in den Nahkampf machen, um seine Vorräte wieder aufzustocken. Durch die zuschaltbare Bullet Time kann dies teilweise ein wenig kompensiert werden und es entstehen einige sehenswerte Shootouts. Auch der Roadie Run aus dem indizierten Vorbild ist vorhanden, kommt aber wegen der verwinkelten Schlauchareale nur sehr selten zum Einsatz.

Etwas Abwechslung soll durch Schleichpassagen geboten werden, bei denen der Spieler den Hund Shadow direkt steuert. Dabei kann eine Art Spürsinn aktiviert werden, um Gegner schon aus grosser Entfernung und durch Wände sehen zu können. Technisch wird Standardkost geboten, als Grafik-Gerüst dient wie so oft die Unreal-Engine. Dies macht sich besonders bei den muskelbepackten Charakteren bemerkbar, diese erinnern, wie schon erwähnt, doch sehr an Gears of War. In den Schusswechseln gibt es wie dort auch ein Deckungssystem, welches aber wegen hervor stürmenden Massen meist nicht effektiv eingesetzt werden kann. Die Konfrontationen bleiben deshalb auch meist eher hektisch, besonders auf den höheren Schwierigkeitsstufen.

In einer Mission muss Jack einer verwundeten Verbündeten helfen. Diese muss dabei im wahrsten Sinne des Wortes mitgeschleppt werden und verhindert währenddessen den Waffeneinsatz. So zieht man diese zur nächsten Deckung, um von dort aus schnell einige Feinde zu erledigen, wobei man aber immer die Kollegin im Blick halten muss. Durch die Hektik des Geschehens und die hier erstmals aufblitzende Taktik ist dieser Level sicherlich das Highlight des Spiels. Leider trübt die etwas häkelnde Steuerung ein weiteres Mal das Vergnügen. Schade, dass nur dieser einzige Einsatz spielerisch wirklich überzeugen kann.

Am meisten getrübt wird das Spektakel allerdings durch handwerkliche Fehler. So setzt die Gegner-KI oft aus, auch Clipping-Fehler sind keine Seltenheit. Während des Tests musste ich auch einen Level komplett wiederholen, weil vor meinen Respawn-Punkt eine unsichtbare Mauer errichtet worden war. Ein wenig zusätzliche Entwicklungszeit hätte hier vielleicht Wunder gewirkt, ein Patch ist wohl auch nicht mehr zu erwarten. Dagegen wurde das Spiel aber mit dem 400 Punkte teueren GAC-Pack um einige Challenges und Achievements erweitert, die man aber als Normalspieler nicht braucht.

Alles in allem bleibt ein leicht überdurchschnittliches Spiel, das aber in keinem Bereich Massstäbe setzten kann. Wer allerdings, wie ich, die ersten Titel wegen ihres Trash-Charmes und der beinharten Inszenierung gemocht hat, wird auch hier nichts falsch machen. Letztendlich ist es aber doch albern, dass Hauptcharakter Jack, nachdem er eine halbe Armee mit bloßen Händen erledigt hat, nicht aus der Schlauchstruktur ausbrechen kann, weil auf einer Treppe ein umgestürztes Sofa liegt…

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