The CPU seems to have self-destructed!

Herbst 1992. Grau. Grün. Kompliziert. Unendlich lang.

 

Meine erste Begegnung mit Samus Aran war sicher keine Liebe auf den ersten Blick. Sie fand im besagten Jahr 1992 auf meinem in eben diesem Jahr erworbenen GameBoy in Form von Metroid 2 statt. Ich habe das Spiel nie durchgespielt, aber irgendwie hat es mich dennoch fasziniert und ist eine meiner wenigen klaren Erinnerungen an den GameBoy.

 

Das von einigen als Höhepunkt der Serie gelobte Super Metroid habe ich nie auf dem SNES erlebt. Damals war ich großer Action-Adventure Spieler und habe mich lieber mit Secret of Mana oder Evermore vergnügt. Mein erster richtiger Kontakt mit der Metroid-Serie war tatsächlich Metroid Prime auf dem GameCube. Ein großartiges Spiel, wie auch seine beiden Nachfolger. Keines davon habe ich jedoch je durchgespielt, alle haben mich nach einiger Zeit nicht mehr gereizt.
Auf Other M hingegen freute ich mich schon seit der ersten Ankündigung. 2D Action mit Explorationscharakter, im Fachjargon manchmal “Metroidvania” genannt, gehört heute zu meinen absoluten Lieblingsgenres. Warum Other M damit nur am Rande zu tun hat, es aber trotzdem der erste Metroid-Teil ist, den ich bei Erscheinen komplett genossen habe, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

 

Im Gegensatz zur Prime-Serie wurde das neueste Metroid wieder im Mutterland Japan entwickelt, allerdings von Tecmo, in Form von Team Ninja, den Entwicklern der Ninja Gaiden Spiele. In den ersten Trailern sah das Spiel noch sehr wie ein Super Metroid in 2,5D aus, wie es das exzellente Shadow Complex letztes Jahr auf der Xbox 360 geboten hat.
Bereits im Tutorial wird aber klar, dass dies nicht der Fall ist, das Spiel arbeitet mit einer wechselnden, häufig isometrischen Perspektive. Richtet man die Wiimote auf den Bildschirm geht es sogar in die First-Person Sicht – dort kann nur noch gezielt, nicht jedoch der Standort gewechselt werden. Dies spielt sich leider besonders am Anfang so konfus wie es klingt. Es hilft auch nicht, dass das Spiel wie ein Überbleibsel der frühen GameCube Ära aussieht, worunter wegen verwaschener Texturen auch die Übersicht leidet.

 

Die erste Spielsequenz nach Tutorial und viel Cutscenes fesselt den Spieler in der Egosicht und teilt ihm mit, dass er etwas zu “scannen” hat. Dabei handelt es sich um ein besonders großartiges Element aus der Spieldesign-Mottenkiste, das Wimmelbild. Der Spieler hat die Aufgabe genau einen Pixel auf dem Bildschirm zu suchen und per B-Knopf zu markieren. Ohne Internet und GameFAQs wären in diesem Moment Spiel und Wii-Konsole wohl auf dem Asphalt gelandet, so konnte die Situation mittels iPad schnell entschärft werden. Trotzdem – geht’s noch? Welchen Sinn soll es bitte haben ohne jeglichen Hinweis ein 640×480 Bild nach dem Pixel im Heuhaufen zu durchsuchen? Der verantwortliche Designer sollte mit lebenslangem Spielen anderer Katastrophen wie dem Call of Duty Favela Level bestraft werden.

 

Leider gilt das für beinahe alles, was dieser Teil anders macht als die 2D Vorgänger. Dazu gehören die Sequenzen in denen man Samus über die Schulter blickt. Dies soll wohl Spannung und Bedrohung signalisieren, aber warum ist die Laufgeschwindigkeit auf ein Minimum reduziert? In einer besonders nervigen Szene in der Mitte des Spiels, gibt es einen ganzen Abschnitt mit Schulterkamera – todlangweilig.

 

Einige der zahlreichen Cutscenes sind dies auch. Die Story an sich ist spannend und auch die Rückblenden geben der Heldin zusätzliche Tiefe. Die meisten Unterbrechungen sind aber zu lang und besonders in den Gesprächen mit den anderen Marines zu belanglos. Unterm Strich ist die Geschichte aber noch überdurchschnittlich und das reicht für einen Action-Titel vollkommen aus.

 

Gut funktioniert hingegen das neue Gesundheitssystem. In jedem bisherigen Metroid hinterliessen getötete Feinde entweder Raketen oder kleine Health-Items. In Other M könnt ihr jederzeit die Wiimote in die Senkrechte stellen und durch Gedrückhalten der A-Taste euren Raketenvorrat und eure Gesundheit aufladen. Anfangs geht das nur für einen Health-Balken, mittels Powerups lässt sich diese Fähigkeit aber ausbauen. Da ihr einige Zeit stillstehen müsst, wird das Spiel trotzdem nicht zu leicht. Ein wenig sinnlos werden aber die zahllosen Scharmützel gegen das Kanonenfutter, weil ihr daran nun einfach vorbeilaufen könnt, da keine nützlichen Items mehr hinterlassen werden. Die oben erwähnten versteckten Powerups werden übrigens diesmal auf der Karte markiert. Ich habe das Spiel trotzdem mit nur 20% abgeschlossen, sinnloses Erreichen von 101% habe ich bei Donkey Kong Country das letzte Mal gemacht.

 

Zentrales Element jedes Metroid ist der Verlust der Kräfte, die im Verlauf des Spiels nach und nach wieder erlangt werden müssen, um neue Areale zu entdecken. Alle klassischen Waffen und Fähigkeiten sind hier vertreten: Morph Ball, Gravity Suit und Super Missiles. Im Gegensatz zu anderen Teilen verliert Samus aber ihre Kräfte diesmal nicht, sie setzt sie einfach erst ab einem bestimmten Zeitpunkt ein. “WTF?!” höre ich euch sagen und recht habt ihr. Gleich zu Beginn des Spiels trefft ihr euren alten Kommandanten Adam und dieser hält die meisten Fähigkeiten für zu gefährlich, deshalb “authorisiert” er sie erst nach und nach. Das führt zum Beispiel zu der absurden Situation, dass ihr den hitzeunempfindlichen Varia-Suit erst *nach* einem kompletten Lava-Abschnitt aktivieren dürft. Das Fehlen der Kräfte macht so einfach keinerlei Sinn, hier hätte ein richtiger Grund für die anfängliche. Beschränkungen gefunden werden müssen.

 

Warum ihr den Titel trotzdem spielen solltet? Ganz einfach: das alte Metroid Gameplay ist im Kern immer noch vorhanden und funktioniert. Die Wimmelbild-Sequenzen löst ihr am besten
per Walkthrough, das schont die Nerven. Die Bossfights sind zahlreich und grösstenteils sehr gut gelungen. Auch die serientypischen kleineren Rätseleien wurden nicht vergessen. Negativ erwähnen muss man noch den letzten Kampf, dort sieht man erstens nichts und zweitens gibt es kein Feedback ob das eigene Vorgehen richtig ist. Nach einer zweistelligen Zahl grandioser Bosse wirkt das etwas absurd. Alles in allem muss man wohl sagen, dass Other M trotz und nicht wegen Team Ninja ein Hit ist – fast alle Abweichungen vom klassischen Metroid gingen daneben. Der Titel ist immer dann am besten, wenn er sich wie Super Metroid spielt.
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